KI und die vier Reiter: Welchen Preis zahlen wir?

Oct 8, 2026 • 7 min read

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Ich war zu Gast bei Alexandra Wurlitzer in der «Lesestube» von QS24. Gut eine halbe Stunde über mein Buch «Die vier Reiter»: über KI und Gesundheit, digitales Burn-out und Bewerbungen aus der Maschine. Und über die Frage, wer dem weissen Reiter eigentlich den Kranz gegeben hat.

In der Sendung

  • 02:40 Die vier Reiter in vier Sätzen
  • 05:16 KI und Gesundheit: wo sie hilft und wo sie gefährlich wird
  • 06:40 Digitales Burn-out
  • 07:30 Bewerbungen aus der Maschine
  • 22:07 Papier schlägt digital: das hybride Buch
  • 28:12 Meine drei Fragen
  • 29:50 Kann KI Gänsehaut?

Am Schluss dieses Beitrags warten drei Einladungen: das Spiel mit der Sechs, die digitale Buchvernissage vom Freitag, 9. Oktober, und das Vorbuch als Geschenk.

Inhaltsverzeichnis

Alle jubeln dem weissen Reiter zu. Die Rechnung kommt später.

Alexandra eröffnet die Sendung mit zwei Sätzen von der Rückseite meines Buchs: «Der Schrecken beginnt nicht mit dem Tod. Er beginnt mit einem strahlenden Reiter, dem alle zujubeln.» Dann will sie wissen, ob ich das mit KI geschrieben habe oder aus eigener Feder. Meine Antwort: nicht mit KI. Auch das Lektorat hat keine Maschine gemacht.

Ich bin der Vater dieses Buchs, aber ich habe es nicht allein geschrieben. Meine Co-Autoren Olaf Hoffmann und Thomas Haak haben mitgeschrieben. Dazu kommt das Wissen von Fachleuten: ein Physiker, ein Psychiater, eine Ärztin. Brigitte Nickel hat lektoriert. Hinter den Gedanken stehen Menschen, die ihr Wissen und ihre Erfahrung eingebracht haben.

Mir ging es darum, die andere Seite der KI zu beleuchten. Ich nutze KI auch, aber mit Mass. Entscheiden lasse ich sie nicht. Es ist kein Buch gegen die KI. Es ist ein Buch für das eigene Urteil.

Vier Reiter, eine Kette

Der weisse Reiter steht für etwas Neues, und alle jubeln. Der rote kommt hinterher und nimmt uns etwas weg. Der dritte trägt die Waage und verteilt neu: Wer verdient daran, wer hat den Vorteil? Der letzte steht für das Ende einer Sache. Nicht jeder Verlust zeigt sich gleich am Anfang.

Alexandra Wurlitzer und ihr Gast sitzen einander am Tisch im QS24-Studio gegenüber
Mit Alexandra bespreche ich, was nach dem Jubel über das Neue kommt.

Mein Beispiel ist das Auto. Es war der weisse Reiter seiner Zeit. Es hat uns vieles erleichtert. Der rote kam hinterher: Wir bewegen uns weniger, die Muskeln werden schwächer. Der Vorteil ist sofort sichtbar, der Preis oft erst später.

Das Bild der vier Reiter ist uralt. Die Menschen haben es immer wieder gebraucht, um Veränderungen zu verstehen. Ich greife es auf, weil es auch zur KI passt. Zwei Fragen ziehen sich durch mein Buch: Wer hat dem weissen Reiter den Kranz gegeben? Und wie hoch ist der Preis, den wir dafür bezahlen? Der Jubel ist noch keine Antwort.

In der Medizin hilft die KI. Urteilen muss ein Mensch.

Alexandra nennt die Chancen bei Röntgenbildern: Eine KI kann auf etwas hinweisen, das ein Arzt möglicherweise übersieht. Das bestreite ich nicht. Wo sie den Menschen hilft, soll man sie einsetzen. Unterstützung und Entscheidung sind für mich aber zwei verschiedene Dinge.

Ich erzähle von einem Fall mit einer Hals-Nasen-Ohren-Ärztin aus München. Es ging um Leben und Tod. Entscheidend war ihr Tastsinn. Nach meiner Einschätzung hätte dieser Mensch ohne ihre Untersuchung nicht überlebt, weil die Beurteilung sonst falsch ausgefallen wäre. Genau diese menschliche Erfahrung meine ich.

«KI ist viel, viel Wissen. Was ihr fehlt, sind Erfahrung und Verantwortung.»

Auch das Schild im Wartezimmer, «Dr. Google hier nicht erlaubt», kommt zur Sprache. Ich halte wenig davon, das eigene Urteil einer Suchantwort zu überlassen. Wenn ich über «austherapiert» spreche, meine ich: Dieser eine Arzt weiss nicht mehr weiter. Für Entscheidungen über die eigene Gesundheit und die Erziehung der Kinder ist KI für mich das falsche Instrument. Wissen allein trägt keine Verantwortung.

Mehr Zeit dank KI? Das hat mir noch keiner ehrlich gesagt.

Mein Freund Dr. med. Thomas Russmann, Psychiater in Interlaken, widmet dem digitalen Burn-out in der neuen Auflage seines Fachbuchs ein eigenes Kapitel. Was er beschreibt, beschäftigt mich auch in den Firmen: Der Chef verlangt fast ständige Erreichbarkeit und arbeitet selbst mit KI. Der Mitarbeiter nimmt sie ebenfalls, um mitzuhalten. Irgendwann urteilt keiner von beiden mehr selbst.

Alexandra fragt, ob uns die eingesparte Zeit tatsächlich mehr Freizeit bringt. Früher schrieb man einen Brief und hatte zehn Tage Ruhe. Heute soll eine Mail möglichst sofort beantwortet sein. Schneller schreiben bedeutet noch lange nicht, früher aufhören zu können.

In den letzten vier Jahren habe ich keinen Menschen getroffen, der mir ehrlich gesagt hat, er habe dank KI viel mehr Zeit. Mein Impuls in der Sendung ist deshalb: vier Tage Medienfasten, nicht überall mitmachen, auch einmal ausschalten. Über das Fernsehgerät sage ich: Es macht reich, solange man es nicht einschaltet. Nicht jede freie Minute muss wieder gefüllt werden.

Maschinen bewerben sich bei Maschinen

Im Bewerbungsgespräch frage ich nach einem Satz aus der Bewerbung und höre regelmässig: «Das habe ich mit KI gemacht.» Der Satz steht im Dossier, aber der Mensch kann ihn nicht erklären. Auf der anderen Seite sortiert oft eine KI vor, bevor überhaupt jemand die Bewerbung sieht.

Der Gast spricht am Tisch, Alexandra Wurlitzer ist von hinten im Vordergrund zu sehen
Bei einer Bewerbung interessieren mich Ihre Antworten, nicht die Formulierungen einer Maschine.

Manche verstecken sogar weisse Schrift im Dokument, um diesen Filter zu lenken. Wir bauen auf beiden Seiten den Menschen ab, obwohl wir herausfinden wollen, ob Menschen zusammenpassen. Ist das nicht absurd?

Meine drei Fragen bleiben dieselben: Warum sollte ich gerade Sie nehmen? Warum sollte ich Ihnen mehr bezahlen? Warum sollte ich Sie weiterempfehlen? Mich interessiert, ob Ihre Antworten einen Unterschied erkennen lassen. Mein Grundsatz lautet: «Differenzieren oder verlieren.»

Der Wert von Menschen, die in sich selbst investieren, steigt. Ich suche Menschen, die lernen und ihr Wissen einbringen, nicht bloss ein Werkzeug bedienen. Wissen ist die einzige Ressource, die mehr wird, je öfter man sie braucht. Ihr Unterschied muss Ihnen selbst gehören.

Wenn alles gleich tönt, fehlt das Herz

Ich bin in der Hotellerie und im Tourismus gross geworden. In der Schweiz und in Österreich habe ich viele Hotels und Restaurants erlebt, die Texte, Speisekarten und Einladungen der KI überlassen haben. Heute sind sie wieder auf Feld eins. Alles tönt gleich, und das Herz fehlt.

Nahaufnahme des Gasts mit Brille und dunklem Anzug im QS24-Studio
Für mich verliert ein Text seinen Wert, wenn der Mensch dahinter nicht mehr erkennbar ist.

Ähnlich ging es mir an einem Streetfood-Festival voller KI-Bilder. So sieht kein Essen aus. Die Bilder sollen locken, aber mich stossen sie ab. Deshalb gibt es bei der F1RST GmbH das Siegel «NO KI». Wer es trägt, darf stolz darauf sein.

Bei Engel & Völkers habe ich nicht in neue Werkzeuge investiert, sondern in die Menschen. Mein erster Satz an die Makler war: «Ihr verkauft keine Immobilien. Ihr gebt Vertrauen, dem Käufer und dem Verkäufer.» Das verändert den Blick auf die eigene Arbeit. Vertrauen muss ein Mensch geben, nicht nur darstellen.

Papier schlägt digital

Man hält mich für den digitalen Menschen. Der war ich nie. Das Digitale war für mich immer das Schoggipulver auf dem Cappuccino. Mein Buch ist deshalb zuerst Papier: Sie können blättern, anstreichen und an den Rand schreiben. Und es läuft auch ohne Strom.

Alexandra Wurlitzer hält ein aufgeschlagenes Buch im Vordergrund, ihr Gast sitzt gegenüber
Das Buch bleibt zum Anfassen und Bearbeiten da, auch wenn digitale Ergänzungen dazukommen.

Beim «Gesundheitskompass», der Zeitung von QS24, die ich mit ins Leben gerufen habe, sehe ich dasselbe Bedürfnis. Klein angefangen, heute rund zwei Millionen Exemplare im Jahr. Menschen wollen etwas in den Händen halten. Kinder begreifen so: Sie bauen einen Turm, er fällt zusammen, sie bauen ihn neu.

Alexandra fragt, warum mein Buch hybrid ist. Weil das Digitale obendrauf kommt: Hörbuch, Filme, Augmented Reality und digitale Notizen. Dazu Cora und der Herold, zwei Kunstfiguren, beide mit KI erzeugt und offen so deklariert. Sie ergänzen das Buch, sie ersetzen es nicht. Das Schoggipulver ist nicht der Cappuccino.

Kann KI Gänsehaut?

Ich nenne mich Produzent. Was ich produziere, ist Gänsehaut. Für mich lässt sich ohne Gänsehaut nichts vermarkten und nichts verkaufen. Es braucht etwas, das einen Menschen berührt. Gegen Schluss will Alexandra wissen, ob das eine KI auch kann.

Meine Antwort: Mithelfen kann sie, fühlen nicht. Sie kann auf Geschichten zurückgreifen, die Menschen geschrieben haben. Aber nimmt man ihr weg, was Menschen gedacht und aufgeschrieben haben, bleibt ihr nichts. Der Mensch kommt zuerst, die KI bleibt ein Werkzeug. Genau deshalb gehören das eigene Wissen und das eigene Urteil nicht auf die Seite der Dinge, die wir einfach abgeben.

Lernen Sie die vier Reiter kennen. Und sobald etwas daherkommt wie der weisse Reiter und alle jubeln, stellen Sie zwei Fragen: Wer hat ihm den Kranz gegeben? Und welchen Preis bezahle ich dafür?


DER KI-MACHTSCHOCK · DREI, VIER MINUTEN

Sie glauben, Sie entscheiden frei? Dann spielen Sie zuerst dieses Spiel.

Machen Sie die Probe, bevor Sie mir glauben. Blatt und Stift bereitlegen, Film starten, laut mitsprechen und sofort aufschreiben, was Ihnen einfällt. Wetten, der Herold weiss, was auf Ihrem Blatt steht? Wie er das macht, verrate ich hier nicht.

Jetzt mitspielen

Danach wartet Ihre Auswertung, mit echten Fällen, in denen die KI danebenlag.


DIGITALE BUCHVERNISSAGE

Freitag, 9. Oktober 2026 · ab 17 Uhr · Eintritt frei

Am 9. Oktober geht der Vorhang auf.

Kein Saal, keine Anfahrt. Sie nehmen Platz, wo Sie gerade sind. Cora empfängt Sie, der Herold führt Sie in acht Akten durch das Buch. Sie schauen und hören in Ihrem Tempo, unterbrechen, wann Sie wollen, und fahren mit Ihrer Badge-Nummer dort weiter, wo Sie aufgehört haben. Ihre Fragen beantwortet mein Team persönlich, ohne KI. Vermutlich ist das eine der ersten Buchvernissagen dieser Art. Und sie bleibt danach offen.

Mein Motto dafür: Erlebnisse bringen Ergebnisse.

Zur Buchvernissage


GRATIS · OHNE ANMELDUNG

Das Vorbuch schenke ich Ihnen. Zum Lesen und zum Hören.

Auf der Seite «Die vier Reiter» laden Sie das Vorbuch als E-Book, ohne Konto und ohne Mail-Adresse. Wer lieber hört, nimmt das Hörbuch: 16 Kapitel, rund eine Stunde, mit Absicht von einer künstlichen Stimme gelesen. In der Sendung habe ich versprochen, dass Sie die Welt danach anders sehen. Dabei bleibe ich. Geben Sie es weiter, an Ihr Team, an Ihre Kinder, an eine Lehrerin. Dafür ist es gemacht.

Gratis-Buch holen Hörbuch hören

Geschenkt ist das Vorbuch mit den vier Reitern. Die erweiterte Druckausgabe mit dem Gesundheitsteil und dem Teil für Stellensuchende lernen Sie an der Vernissage kennen.

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