Eine KI schreibt die Bewerbung, eine andere sortiert sie aus. Dazwischen sucht ein Betrieb einen Menschen, und ein Mensch sucht eine Stelle. Ich zeige Ihnen, warum dieser Kreislauf beiden Seiten schadet und wie eine Bewerbung wieder etwas Eigenes erzählen kann.
Inhaltsverzeichnis
- Die Maschine darf helfen, aber sie darf nicht urteilen
- Im Bewerbungsgespräch zeigt sich, wem die Worte gehören
- Eine Bewerbung ist eine Offerte
- Überlegungen aus Zuhörersicht machen den Nutzen konkret
- Die Keypunkte dieser Folge
- Das hybride Buch lässt sich lesen, hören und erleben
- Die nächste Frage bleibt beim Menschen
Die Maschine darf helfen, aber sie darf nicht urteilen
Cora und Damian, meine beiden KI-Avatare, sprechen in dieser Folge mit meinen Gedanken und meinen Stimmen für den Podcast. Das kann widersprüchlich wirken, wenn ich zugleich auf menschliches Denken poche. Für mich ist der Unterschied klar: KI ist ein Werkzeug. Das Urteil bleibt beim Menschen. Wer über KI schreibt, muss sie kennen. Wer sie einsetzt, muss trotzdem selbst Verantwortung übernehmen.
Das gilt besonders für Bewerbungen. Stellen Sie sich einen Personalchef mit einem Stapel Dossiers vor. Fast überall stehen dieselben Wörter: kreativ, belastbar, teamfähig. Eine Maschine hilft beim Sortieren. Auf der anderen Seite haben Bewerberinnen und Bewerber ihre Unterlagen ebenfalls mit einer Maschine formuliert. So prüfen Maschinen Texte, die Maschinen geschrieben haben. Was erfahren die Menschen dabei noch voneinander?
Das kostenlose Vorbuch zu «Die vier Reiter» finden Sie auf die4reiter.com. Die Frage nach dem eigenen Urteil zieht sich auch durch dieses Thema: Eine gut klingende Formulierung ist noch kein Beleg dafür, dass jemand dahintersteht.
Im Bewerbungsgespräch zeigt sich, wem die Worte gehören
Spätestens im Gespräch sitzen zwei Menschen einander gegenüber. Trotzdem kann es sich anfühlen, als redeten weiterhin die Maschinen: hier ein Katalog vorgefertigter Fragen, dort sorgfältig geglättete Antworten. Beide Seiten hören Sätze, die korrekt klingen. Aber entsteht daraus eine Verbindung?
Ich denke an Bewerberinnen und Bewerber, die ihre eigenen Unterlagen nicht erklären konnten, weil sie die Formulierungen nicht selbst geschrieben hatten. Das ist kein Argument gegen jede sprachliche Hilfe. Es ist ein Argument dafür, jeden Satz zu prüfen: Kann ich ihn mit einer Erfahrung füllen? Würde ich ihn im Gespräch genauso sagen? Wenn nicht, gehört er nicht in mein Dossier.
Auch auf der anderen Seite braucht es Aufmerksamkeit. Ein Betrieb, der nur nach Schlagwörtern sortiert, kann leicht übersehen, was eine Person tatsächlich mitbringt. Ein Dossier soll ein Gespräch eröffnen, nicht es durch einen Score ersetzen.
Eine Bewerbung ist eine Offerte
Mein Rat lautet: Differenzieren oder verlieren. Eine Bewerbung ist eine Offerte. Wer gleich klingt wie alle anderen, macht es seinem Gegenüber schwer, einen Unterschied zu erkennen. Dann bleibt schnell nur der Vergleich über den Preis.
Gerade im Alltag eines KMU versteht man das sofort. Eine Offerte, die bloss allgemeine Versprechen enthält, sagt wenig darüber aus, warum ausgerechnet dieser Betrieb den Auftrag erhalten sollte. Bei einer Bewerbung ist es ähnlich. «Teamfähig» kann jeder schreiben. Interessanter ist, was Sie selbst über Ihre Arbeit sagen können und was Sie im Gespräch dazu erzählen würden.
Im E-Book greife ich das Thema auch mit satirischem Blick auf: in einem Krimi aus dem Oberwallis über den perfekten Score. Dazu kommt ein Recruiting-Workbook. Der Witz über maschinelle Perfektion trifft einen ernsten Punkt. Ein makelloser Text hilft wenig, wenn die Person dahinter unsichtbar wird.
Überlegungen aus Zuhörersicht machen den Nutzen konkret
Cora stellt Damian drei Fragen, die ich auch Ihnen beantworten möchte. Warum sollten Sie das E-Book lesen? Weil ein Blick von aussen helfen kann, den eigenen Filter zu erkennen. Wenn alle dieselben Formulierungen verwenden, fällt das Eigene kaum noch auf. Die entscheidende Arbeit besteht darin, herauszufinden, was Sie tatsächlich von anderen unterscheidet.
Warum sollten Sie dafür Zeit investieren? Weil Zeit hier der einzige Preis ist. Das Ziel ist nicht ein weiterer perfekt polierter Standardtext. Das Ziel sind drei Sätze für Ihr Dossier, die kein anderer für Sie schreiben könnte. Sie sollten zu dem passen, was Sie können, und zu dem, was Sie im persönlichen Gespräch vertreten.
Warum sollten Sie das Buch oder diesen Beitrag teilen? Fast jeder kennt jemanden, der gerade eine Stelle sucht oder Bewerbungen liest. Ein Link kostet nichts. Für jemanden, der vor einem leeren Dossier sitzt oder einen Stapel gleich klingender Unterlagen bearbeitet, kann ein anderer Blick auf den Prozess wertvoll sein.
Die Keypunkte dieser Folge
- KI kann beim Schreiben und Sortieren helfen. Das Urteil über Menschen darf sie uns nicht abnehmen.
- Ein Bewerbungsdossier muss im persönlichen Gespräch Bestand haben. Jeder Satz sollte sich erklären lassen.
- Wer sich mit austauschbaren Floskeln bewirbt, macht die eigene Leistung schwer erkennbar.
- Drei unverwechselbare Sätze können mehr über eine Person sagen als ein perfekt geglätteter Standardtext.
Das hybride Buch lässt sich lesen, hören und erleben
«Die vier Reiter. Von Patmos bis zur künstlichen Intelligenz» ist das Vorbuch zu «Wer selbst denkt, wird nicht von der KI gelenkt!». Es ist ein hybrides Buch: Sie können es als E-Book lesen, als Hörbuch hören, als Filmbuch mit Videos sehen und über eine AR-Ebene erleben. Alles gibt es gratis und ohne Anmeldung auf die4reiter.com.
Cora und Damian empfehlen am Ende der Folge besonders das Hörbuch. Wenn Sie lieber hören als lesen, finden Sie es dort Kapitel für Kapitel. Entscheidend ist für mich nicht das Format, sondern was Sie daraus für Ihr eigenes Urteil mitnehmen.
Die nächste Frage bleibt beim Menschen
Die Frage reicht über Bewerbungen hinaus: Wo geben wir unser Urteil an Maschinen ab, obwohl zwei Menschen miteinander sprechen sollten? Dort möchte ich weiterdenken. Denn ein guter Prozess beginnt für mich nicht mit dem perfekten Score, sondern damit, dass jemand aufmerksam fragt und jemand mit eigenen Worten antwortet.
Eine Bewerbung soll nicht beweisen, wie gut eine Maschine schreiben kann. Sie soll zeigen, wer vor Ihnen sitzt.
Beat Ambord, Unternehmer, Autor und Keynote-Speaker, F1RST GmbH, Brig-Glis. Mehr auf ambord.info und f1rst.ch.

